
Dorfchronik
Aus der Geschichte unseres Dorfes
Die genaue Entstehungszeit Unterweißenbrunns ist uns nicht bekannt.
Erstmalige urkundliche Erwähnung findet das Dorf 1234, doch dürfte ein
weit höheres Alter anzunehmen sein.
Schon in frühgeschichtlichen Zeiten (7.- 8. Jahrhundert) führte ein
Handelsweg, der sogenannte "Ortesweg", von Bamberg kommend, rechts der
Brend in Richtung Fulda durch unsere Flur. Es ist durchaus anzunehmen,
dass damals schon Siedlungen entlang dieses Weges bestanden haben, die
bei kriegerischen Auseinandersetzungen häufig in Mitleidenschaft
gezogen wurden.
Mit dem Edelmannssitz von Altenbrenda dürfte Unterweißenbrunn seinen
Anfang genommen haben. Das Dorf Altenbrenda liegt um 1400 bereits als
Steinwüste am Hang südwestlich Unterweißenbrunns in Richtung Käuling.
Es wird zum "Steinbruch" der ganzen Umgebung, ganz besonders für die um
ihr Bestehen ringende Ortschaft Leutenau, die 1231 "villa Lutenahe"
genannt wird. Diese lag nordöstlich von Bischofsheim. Da der Platz für
eine Kolonisation wenig günstig war, ging die Siedlung rasch wieder
ein.Bereits 1447 ist sie als Wüstung bekannt.
Einen geeigneteren Siedlungsplatz fand man näher an der Brend. Seit
1298 trägt diese neue Ortschaft den Namen "Wysynbrunnen". Die
vorhandenen Quellen standen bei der Namensgebung Pate, wie auch die
Wandlung des Namens in den folgenden Jahrhunderten bezeugt.
1317 Wyzzenbrunn
1520 Weissenbronne
1585 Untterweyssenbronn
1637 Unterweißenbrunn an der Rhön

Unterweißenbrunn, das Dorf der Wiesenbrunnen (Quelle). Die Vorsilbe
"Unter" taucht 1585 auf, zur Unterscheidung zu dem weiter brendaufwärts
gelegenen Oberweißenbrunn. Als erste Einwohner sind zunächst nur
Leibeigene und Frohnbauern der ehemaligen Herren von Altenbrenda, der
Freiherren von Ebersberg / Weyhers, die auch in Haselbach ansässig
waren, anzunehmen. So gibt es im Jahr 1580 ca.50 Bauern als Weyherische
Landsmänner, die den Besitz der Adelsfamilie in der Unterweißenbrunner
Gemarkung bestellen. Die umliegenden Ortschaften müssen Steuer an das
fürstbischöfliche Amt Bischofsheim zahlen. Die Weyherischen Besitzungen
sind ausgenommen. 1543 muss lediglich die Türkensteuer entrichtet
werden. Der 30-jährige Krieg an dem Dorf auch nicht Spurlos vorüber.
Kurz nach Beginn des 30-jährigen Krieges zählt Unterweißenbrunn 125
Haushaltungen und 575 Einwohner, 1628 132 Haushaltungen und 607
Einwohner, 1673 87 Haushaltungen und 383 Einwohner.
Die Abnahme der Einwohnerzahl ist wohl darüber hinaus bedingt durch die
Pest, die hier in jener Zeit entsetzlich wütete. Es wird berichtet,
dass der Schulmeister Nikolaus Heim in Bischofsheim im Jahre 1635 über
1200 Menschen hatte beerdigen helfen.
Die besondere Notlage der damaligen Kriegszeiten charakterisiert
ebenfalls folgende Begebenheit: Im Jahre 1637 übergab die Gemeinde
Unterweißenbrunn dem Rat von Bischofsheim einen wertvollen silbernen
Kelch aus dem Kirchenschatz. Dieser wurde an Stelle von 100
Reichstalern an den schwedischen Oberstleutnant Dörfling als "Darlehen"
überreicht. Da der Kelch nie wieder eingelöst werden konnte, wurde der
Betrag der Gemeinde Unterweissenbrunn von der Kammer in Würzburg
gutgeschrieben.
Der Weg zu einer eigenständigen Gemeinde beginnt mit dem
wirtschaftlichen Niedergang der Weyherischen Besitzungen. Die
wirtschaftliche Misere endet mit dem Verkauf des Besitzes im Jahre 1659
an das Stift Würzburg. Die Flur wird aufgelöst und an 50 Besitzer in
Unterweißenbrunn vergeben mit einem Pachtzins von 24 Gulden jährlich.
Dem Dorf werden zudem gewisse Rechte am Salzforst zugestanden . Hierzu
zählen freier Holzschlag und Weiderecht im "Cammerforst" für die
zugestanden 450 Schafe. Das Jagd- und Fischrecht übt der Bezirksamtmann
in Bischofsheim aus. Er verteidigt auch den Schultheiß des Dorfes. Mit
den wenigen Rechten übernehmen die Unterweißenbrunner auch Pflichten:
89 Mannschaften und Herdstätten haben Zins nach Bischofsheim zu zahlen.
An bestimmten Tagen des Jahres ist Hand- und Spanndienst zu leisten.
Für das Recht , Brennholz im Kammerforst zu schlagen, sind zur
Jahresjagd 16 - 20 Personen zu stellen. Bei der Jagd hatte man zu
treiben und den ca. 2 m hohen Jagdzaun zu fahren. Mit dem Jagdzaun
wurde das Wild an bestimmten Plätzen eingekesselt und den Jagdgästen
zum Abschuss "angeboten". Als Entgeld für geleistete Dienste erhielt
jeder Mann 3 Maß Bier und eine Schüssel "Erbesbrei".
Zur Zeit der Kirchweih war die Gemeinde verpflichtet, den sogenannten
"Bannwein" im Auftrag des Freiherrn von Weyhers und des Fürstbischofs
auf eigene Kosten zu stellen.

4 Eimer (1 Eimer 80 Liter ) wurden im Dorf zugunsten dieser Herren zum
verkauf angeboten. Jeder war aufgerufen soviel zu trinken wie er will
und kann. Der Wein war schlecht (er ammte zumeist aus den eigenen
Lagen, da bis 1661 auch in der Rhön recht und schlecht Weinbau
betrieben wurde ), und zudem teuer. Was an 2 Tagen nicht getrunken
werden konnte, musste mit 5 Gulden pro Eimer von der Gemeinde ausgelöst
werden.
Weiterhin hatte die Gemeinde bei der Verfolgung von Verbrechern und in
Kriegszeiten "Volg" zu leisten. Dazu gehörte auch die Beteiligung an
der Ausstattung an "Reißwagen" (Kriegswagen) mit Kriegsmaterial, dass
auch schon in der damaligen Zeit besonders teuer war.
Die Gemeinde musste erfinderisch sein in der Beschaffung des
notwendigen Geldes, um die auferlegte Steuer von 12 Gulden an
Bischofsheim und 18 Gulden an Weyhers zahlen zu können. Wer von den
Besitzenden Bauern etwas veräußerte, musste für einen neuen Pfennig
einen alten Pfennig in die Gemeindekasse zahlen. Die Verpachtung des
Hirtenhauses (heutiges Gemeindehaus) und des Kirchhauses auf dem
Kirchhof an den Hirten und Küster, brachte ab 1581 ebenfalls Geld ein.
Wer in die Gemeinde als Bürger einziehen wollte, hatte 2 1/2 wo von
eine Hälfte der Gemeinde, die andere Hälfte dem Amt Bischofsheim
zufielen. Zog ein Bürger fort, so hatte er für sein vermögen für je 100
Gulden 2 Gulden an die Gemeinde und den Amtmann zu zahlen. Auch brachte
das bereits im Jahre 1676 errichtete eigene Brauhaus Geld ein. Daneben
bezog die Gemeinde Einnahmen aus dem verpachteten Ackerland, Wiese und
Hutung.
Kirchlich war das Dorf Unterweißenbrunn bis zur Gründung einer
selbstständigen Pfarrei im Jahre 1798 stets eng mit Bischofsheim
verbunden. Doch bereits vor dieser Zeit unterhielten die
Unterweißenbrunner ein eigenes Gotteshaus, wie der Fund einer Glocke
aus dem Jahre 1448 beweist. Die den 4 Evangelisten geweihte Glocke
weist einen beachtlichen Durchmesser von 80 cm auf. Die Seelsorge
versah ein Priester aus Bischofsheim, " Primissarius", Frühmesser
genannt. Am 1.Dezember 1797 wurde die Genehmigung zum Pfarrhausbau
erteilt. Die Errichtungsurkunde der Pfarrei datiert vom 14.März 1798.
Der erste Pfarrer war Valentin Vay (1798 - 1823). Er verzog nach
Eußenhausen. Dessen Nachfolger Valentin Hepp (1824 - 1835) begann mit
dem Wiederaufbau des als baufällig erklärten Gotteshauses. Der 1615
errichtete Juliusturm (benannt nach Fürstbischof Julius Echter), wurde
1817 wieder mit in den Neubau mit einbezogen. Am 28.Juli 1832 wurde die
feierliche Konsekration der im spätklassizitischen stil errichtete
Kirche, deren Fassade der heilige Kilian und Burkard schmücken , durch
den Würzburger Bischof Friedrich Groß zu Trockau vorgenommen.
Als jährliches Einkommen bezog die Pfarrei im Jahre 1581 30 Gulden,
sowie 11/2 Gulden, ein Pfund (= 30 Pf.) und 18 Pfennig aus der
Verpachtung der " hohen Wiese " Andere Einkünfte erschlossen sich aus
zwei besonderen Institutionen: Die Pfarrei besaß 12 "ewige Kühe". Die
Bauern konnten für 1 Pfund eine Kuh pachten. Ging die Kuh durch
Krankheit ein, war der Bauer verpflichtet, aus seiner eigenen Tasche
eine neue Kuh zu kaufen. Als "Eiserne Büchse" wurde der Opferstock in
der Kirche bezeichnet. Von 3 Pfennigen standen 2 Pfennige dem
Gotteshaus zu und ein Pfennig dem Pfarrherrn. Opfer in "unserer lieben
Frau Schleier eingebunden", gehörten allein dem Gotteshaus.
Viele Jahrhunderte hindurch war Unterweißenbrunn Wallfahrtsort. Das
Gnadenbild derschmerzhaften Muttergottes wurde jedoch am 26. Oktober
1827 vom bischöflichen Ordinariat eingezogen. Damit endete auch der
Pilgerstrom.

Die erste Schule soll um 1640 errichtet worden sein. Ihren Platz hatte
sie neben der Kirche vor dem Brunnen. Von 127 Häusern kamen, wie
Bundschuh V. 1808 schreibt, 1796 nur 52 Schulkinder. Von 1833 bis 1855
war die Schule im heutigen Anwesen Nr. 32 untergebracht. Im Jahre 1857
konnte die "Alte Schule" bezogen werden. 1904 musste sie bereits wieder
erweitert werden. Im Jahre 1958 löste ein neues vierklassiges
Schulgebäude die "Alte Schule" ab.
Da der Boden der Unterweißenbrunner Markung schwer und wenig
ertragreich ist, mussten sich die Einwohner frühzeitig anderweitig nach
Arbeit umsehen. Auswanderungen waren nicht selten. So erzählt der
Chronist von einem Alexander Reuß, der es im fernen ostsibirischen
Wladiwostok bis zum Gutsverwalter gebracht hatte und sich dort auch mit
Tierfang beschäftigte. 1884 kehrte er wieder nach Unterweißenbrunn
zurück. Wenn das Dorf in den Kriegen des vergangen Jahrhunderts auch
äußerlich verschont blieb, musste die Gemeinde, wie das Kriegerdenkmal
kündet, wie alle anderen Gemeinden, ihren Blutzoll zahlen. Mit der
Industrialisierung erfuhr auch die soziale Struktur des Dorfes eine
entscheidende Wandlung . Der Bauernstand verschwand gänzlich. Keiner
des heute ca. 900 Seelen großen Dorfes, mit einer Flur von 1161,75 ha,
lebt noch ausschließlich von der Landwirtschaft.
Mit der Gebietsreform von 1978 fiel die Gemeinde Unterweißenbrunn a.d.Rhön der Stadt Bischofsheim zu.
Die Dorfchronik wurde zusammengetragen und verfasst von Wolfgang Schön. Vielen Dank dafür.